Ich war letztes Wochenende auf der Graduate Fashion Show der Akademie für Mode und Design Hamburg: die „Puls.16“, und durfte mir die Abschlusskollektionen von 19 Nachwuchs-Designern anschauen.

Die „Puls.16“ fand am Samstagabend in der REE Location im Alten Heizwerk in Hamburg statt. Ein ziemlich beeindruckendes Gebäude, großflächig, mit meterhohen Decken und riesigen Fenstern. Das diesjährige Motto der Fashion Show hieß „Coming Soon!“ und bot 1200 Besuchern die Möglichkeit die AMD Abschlusskollektionen der Mode-Design-Absolventen zu sehen. 19 Absolventen, 18 Kollektionen, 130 Outfits und extrem viel Talent. Besonders gut gefielen mir die stimmigen Gesamtkonzepte jeder einzelnen Show: Film, Licht, Musik, Models und Mode wurden zu einer perfekten Symbiose, die mich von der ersten Sekunde an in ihren Bann zog.
Die Vielfältigkeit der Stoffe war wirklich beeindruckend. Mal fließend-leicht, sodass sich der Stoff an den Körper anschmiegte und die Silhouette umspielte; mal steif und unbeweglich, wobei das Kleidungsstück wirkte, als würde es starr um das Model schweben. Eda Kilinic verarbeitete Echthaar und Felle in ihrer Kollektion „TRICHOTILLOMANIA“, Amelie Sue Melcher vernähte in ihrer Abschlusskollektion „MARTEDÌ L’INGANNO DELL’OCCHIO“ zierliche Metall-Elemente. Die seidig-glänzenden Stoffe in Annabelle Gothas Kollektion „UYALGA“ erinnerten an Kimonos.  Auch die Farben der Kollektionen waren unheimlich abwechslungsreich und unterstrichen in den meisten Fällen das Gesamtkonzept. Schön fand ich hier eine Art Taubengrau/blau das sich durch Nina Kramers Abschlusskollektion „VATNAJÖKULL“ zog. In Ceyda Capkins Kollektion „OH MY GOD, MATANGI IS DEAD!“ fiel mir ein wunderschöner dunkelroter, dick-gestrickter Pullover auf, mit weit überschnittenen Ärmeln – eines meiner Lieblingsteile des Abends! In Antonia Kuskowskis Abschlusskollektion „STREITWAGEN“ liefen Tänzer statt Models über den Laufsteg, was die Praktikabilität ihrer Kleider unterstrich und eine starke Dynamik in die Show brachte.
Trotz dieser geballten Ladung Kreativität und den unterschiedlichen Herangehensweisen, sagte mir nicht jede Kollektion gleichermaßen zu. Dies lag sicherlich zum einen an meinem persönlichen Geschmack – zum anderen daran, dass mir bei manch einer der Charakter, das Unbekannte und Eigene fehlte. Im Endeffekt wäre es gut gewesen, hätte ich mir die Show ein zweites Mal angeschaut. Denn wenn die einzelnen Kleidungsstücke im Sekundentakt an einem vorbeirasen, dann bleibt oft nur ein Gefühl zurück. Meistens weiß man dann gar nicht so wirklich, ob dieses Gefühl an der Kleidung oder nur an der Inszenierung lag. Die Intention des Designers, die vielleicht oft erst durch die Details erkennbar wird, kommt dann einfach viel zu kurz.
Im Anschluss an die Show wurden die besten Kollektionen mit dem „Best Graduate Design Award“ der Akademie für Mode und Design Hamburg ausgezeichnet. Meiner Meinung nach zurecht gewonnen haben Maximilian Huber und Nina Körle, die mit ihrer dunklen, leicht aggressiven Inszenierung zwar Aufsehen erregten, damit jedoch nicht von ihren präzise verarbeiteten Kleidungsstücken ablenkten. Bei ihrer Kollektion „RGNRK – RAGNARÖK“ empfand ich Authentizität, Zeitgeist und ein ausgeprägtes Gespür für Trend. Nicht nur die Schnitte, sondern auch die Materialien trugen hierzu maßgeblich bei. Die Kleidungsstücke besaßen eine Schwere, wirkten robust, was wunderbar durch die satten Farben komplementiert wurde. Mein Favorit des Abends! Den ersten Platz teilten Huber und Körle sich mit Sina Salzmann, die mit ihrer Kollektion „ANOMALIA“ einen ganz anderen Nerv traf. Ihre detailverliebten „Kleidungsstücke“ glichen korallenartigen Gebilden, die sich um die nackten Körper der Models rankten und so zu außergewöhnlichen Kunstwerken verschmolzen.

Damit Ihr Euch einen kleinen Einblick der „PULS.16“ verschaffen könnt, habe ich ein paar Fotos für Euch gemacht.
Ich hoffe, sie gefallen Euch – klickt Euch einfach durch die Galerie und lasst mir gerne einen Kommentar unter diesem Artikel.

xx Vic

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